Mindestlohn © mischu11 - Fotolia.com
Auch nach dem lange ersehnten Kompromiss über einen Mindestlohn für Zeitarbeiter gibt es Kritik und Demonstrationen von Gewerkschaften und Beschäftigten. Was genau ist aber so schlimm an der Zeitarbeit und wie konnte es dazu kommen?
Hauptursache liegt beim deutschen Bund: Im Zuge der Hartz-Reform des Sozialrechts wurden Zeitarbeits-Firmen von vielen Gesetzen und Beschränkungen befreit. Das führte zu einem Boom, der bis heute anhält. Rund 800.000 Angestellte sind bei den drei Größten der Branche Randstad, Manpower und Adecco unter Vertrag. Innerhalb von zehn Jahren gab es ein phänomenales Wachstum von 260 Prozent. Kein Wunder also, dass Befürworter der Zeitarbeiter diese als großen Motor für den Fortschritt sehen, die Kritiker hingegen anmerken, solche Zahlen seien nur möglich geworden dadurch, dass viele traditionelle Arbeitsplätze gestrichen und durch billigere Arbeitskräfte von Zeitarbeits-Firmen ersetzt wurden. Die verdienen im Schnitt nämlich zwischen 20 und 25 Prozent weniger als regulär Angestellte – meist mit ähnlichen, wenn nicht gar besseren Qualifikationen.
Dieses Verfahren bringt auch ordentlich Spannung in Unternehmen: Während die regulär Angestellten meist gewerkschaftlich organisiert sind, besser bezahlt werden und flexiblere Arbeitszeiten genießen, sind die Zeitarbeits-Mitarbeiter kaum vernetzt, werden untertariflich bezahlt und müssen eben die Schichten nehmen, die frei bleiben. Das treibt eine Kluft zwischen die beiden Gruppen von Angestellten: Die einen fürchten sich, bald durch eine Zeitarbeits-Kraft ersetzt zu werden, die anderen sind neidisch auf höhere Verdienste und einen bequemeren Arbeitsalltag.
Ab Mai 2011 gilt nun ein Stundenlohn von mindestens 7,60 Euro im Westen und 6,65 im Osten – das Ergebnis zäher Verhandlungen. Vieler Gewerkschaften ist das aber immer noch zu wenig. Denn dass Zeitarbeiter mit rund einem Viertel weniger Lohn auskommen müssen, wird sich auch durch einen so geringen Mindestlohn kaum ändern.







